Texte und Gedanken

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  Hermann Hesse
So mußt du allen Dingen
Bruder und Schwester sein,
Daß sie dich ganz durchdringen,
Daß du nicht scheidest Mein und Dein.

Kein Stern, kein Laub soll fallen -
Du mußt mit ihm vergehn!
So wirst du auch mit allen
Allstündlich auferstehn.
 
     
  Johann Gottfried Herder
Unsere Seele muss sterben, sagst du, wenn der Körper stirbt? Hast du eine innere Kraft je sterben sehen? Nur das Äußere, Zusammengesetzte sahst du zerfallen. Was in mir lebt, mein Lebendigstes, mein Ewiges, kennt keinen Untergang. Kein Tod ist in der Schöpfung, nur Verwandlung. Wenn die Hülle beim Tode wegfällt, bleibt die Kraft, die schon vor dieser Hülle existierte.
 
     
 

Aus den Oden Salomos 15

Wer sich nach dem Sonnentag gesehnt hat, freut sich, wenn die Sonne da ist. So ist der Herr meine Freude.

Denn der Herr ist meine Sonne und seine Strahlen haben mich aufgeweckt.

Sein Licht hat alle Finsternis vor meinen Augen vertrieben.

 
     
 

Else Lasker Schüler, Weltende
Es ist ein Weinen in der Welt
Als ob der liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen...
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.

Du! Wir wollen uns tief küssen-
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.

 
     
  Martin Gutl, Zu Dir hin
Zu Dir hin
wird still meine Seele.
Zu Dir hin
wandelt sich meine Klage in Lob.
Zu Dir hin
seh' ich nicht nur Scherben,
sondern füg' ich die Teile
zum Ganzen zusammen.
Zu Dir hin
strömen alle meine Gedanken.
Bei Dir bin ich daheim
in dieser und in jener Welt.
 
     
  J. W. v. Goethe, Selige Sehnsucht
Sag es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebendge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.
 
In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.
 
Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.
 
Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.
 
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde
.
 
     
  Abendsegen
Herr, segne uns,
am Abend des Tages,
am Abend des Lebens,
am Abend der Welt.
Amen.
 
     
  Psalm 31,9
Du stellst meine Füße auf weiten Raum.
 
     
 

Von einem unbekannten Verfasser

So spricht der Herr, der Dich geschaffen hat. Fürchte Dich nicht! Ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. (Jesaja 43,1)

Unwahrscheinlich kostbar bist Du. Einzigartig. Niemanden hat es je gegeben so wie Du und niemand wird je so sein wie Du.

Ich, der Schöpfer des Himmels und der Erde, habe Dich gekannt, bevor Du geboren wurdest. Ich habe Dein Lachen und Deine Tränen in meinem Herzen aufbewahrt. Ich werde Dich nie vergessen – auch wenn es die Erde längst nicht mehr geben wird – ich bin bei Dir alle Tage - bis an der Welt Ende.

Mein Segen und meine heiligen Engel mögen Dich umgeben. Niemand darf Deiner Seele schaden. Und ist Dir je einmal ein Unrecht geschehen oder hat Dir jemand etwas Böses getan, der wird es mit mir einmal zu besprechen haben.

Drückt dich selbst deine Schuld und Sünde, so wirf sie auf mich. Ich will´s gerne tragen.
Gib mir deinen Tod. Ich gebe Dir mein ewiges Leben.

Suche mich! Suche mich in Deinem Leben. 

Ich will mich von Dir finden lassen.

 
     
  Friedrich Rückert
Du bist ein Schatten am Tage
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.
 
     
  Worte eines sterbenden Kindes
Der Tod ist doch nur ein Komma, kein Punkt.
 
     
 

Khalil Gibran

Wenn dir jemand erzählt,

daß die Seele mit dem Körper

zusammen vergeht und daß das

was einmal tot ist,

niemals wiederkommt, so sage ihm:

Die Blume geht zugrunde,

aber der Same bleibt zurück

und liegt vor uns, geheimnisvoll

wie die Ewigkeit des Lebens.

 
     
  Von einer Trauerkarte aus Amerika (Übersetzung)
Und wenn ich gehe während du noch hier bleiben musst, wisse, dass ich weiterlebe, schwingend in einem anderen Rhythmus, hinter einem Schleier, durch den du nicht sehen kannst. Du wirst mich nicht sehen können, also musst du vertrauen. Und wenn du mich brauchst, flüstere nur meinen Namen in deinem Herzen, und ich bin da.
 
     
  Johann Gabriel Seidl, Die Uhr
(vertont von Johann Karl Gottfried Loewe)

Ich trage, wo ich gehe,
Stets eine Uhr bei mir;
Wieviel es geschlagen habe,
Genau seh ich an ihr.

Es ist ein großer Meister,
Der künstlich ihr Werk gefügt,
Wenngleich ihr Gang nicht immer
Dem törichten Wunsche genügt.

Ich wollte, sie wäre rascher
Gegangen an manchem Tag;
Ich wollte, sie hätte manchmal
Verzögert den raschen Schlag.

In meinen Leiden und Freuden,
In Sturm und in der Ruh,
Was immer geschah im Leben,
Sie pochte den Takt dazu.

Sie schlug am Sarge des Vaters,
Sie schlug an des Freundes Bahr,
Sie schlug am Morgen der Liebe,
Sie schlug am Traualtar.

Sie schlug an der Wiege des Kindes,
Sie schlägt, will's Gott, noch oft,
Wenn bessere Tage kommen,
Wie meine Seele es hofft.

Und ward sie auch einmal träger,
Und drohte zu stocken ihr Lauf,
So zog der Meister immer
Großmütig sie wieder auf.

Doch stände sie einmal stille,
Dann wär's um sie geschehn,
Kein andrer, als der sie fügte,
Bringt die Zerstörte zum Gehn.

Dann müßt ich zum Meister wandern,
Der wohnt am Ende wohl weit,
Wohl draußen, jenseits der Erde,
Wohl dort in der Ewigkeit!

Dann gäb ich sie ihm zurücke
Mit dankbar kindlichem Flehn:
Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben,
Sie blieb von selber stehn.
 
     
  Nach Martin Gutl, Ich werde nicht sterben
Ich werde nicht sterben,
nicht wie ein Bach in der Wüste versickern.
Ich werde die Grenzen durchbrechen,
ich werde ein neues Ufer erreichen.
Ich werde neu denken und fühlen.
Mit neuem Leib, mit neuer Seele.
Im Himmel, auf neuer Erde.
Oben und unten,
arm und reich,
stark und schwach,
Heimat und Fremde,
Tage und Nächte,
Lust und Schmerz
werden verblassen.
Ich werde nichts wollen,
ich werde nur sein.
Ich werde mir, ich werde Dir
nahe sein wie nie zuvor.
 
     
  Antoine de Saint-Exupéry
Das, was dem Leben Sinn verleiht, gibt auch dem Tod Sinn.
 
     
 

Nico Friedrichs-Neumann

Dein letzter Atemzug

die Grenze dorthin
wo wir nicht hin können

X

die Erlösung für Dich
eine Qual für mich

Unfassbar
dieser Moment der Stille
wo nichts mehr da ist
außer Deiner Hülle

Das Lachen in Deinen Augen ist verschwunden
die Stimme die mich rief
nur noch im Seelenschmerz verbunden
der Schmerz, er sitzt so tief.

Der Morgen graut
ein Sonnenstrahl im Zimmer
der Staub er tanzt
und Du, Du tanzt nie mehr

Der Mensch den ich vermisse
der war lebendig wie das Meer
die Hülle die hier liegt
das bist Du gar nicht mehr.

Du lebst in meinem Herzen
wann immer ich erinner,
verbunden auch mit Schmerzen
ich weiß genau - Du bist-
Du bist in mir
- für immer

 
   
  Verfasser/in unbekannt
In einem Meer von Tränen
versinke ich, mein Gott.
In einen Abgrund von Trauer
falle ich, mein Gott.
Und ich hoffe und ich glaube,
dass auf dem Boden des Meeres das Leben ist
und in der Tiefe des Abgrundes du selbst,
der die Toten lebendig macht.
 
     
  Elias Canetti
Der Sterbende nimmt die Welt mit.
Wohin?
 
     
  Willigis Jäger
Der Tod ist nach der Geburt das wichtigste Ereignis unseres Lebens. Er ist die Vollendung unserer Geburt. Wir fügen uns nicht dem Tod, wenn wir sterben, wir fügen uns ein in den Fortgang des Lebens, das kein Verweilen kennt.
 
     
 

Verfasser/in unbekannt

Auf die Nacht folgt ein stiller Morgen, der noch nicht tröstet, aber sanft, ganz sanft die Seele erhellt.

 
     
  Rudolf Steiner
Fühle, wie wir liebend blicken
In die Höhen, die dich jetzt
Hin zu andrem Schaffen rufen.
Reiche den verlass'nen Freunden
Deine Kraft aus Geistgebieten.

Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau'n dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.
 
     
  Verfasser/in unbekannt
Erinnerung ist die Kraft, im Winter Rosen zu pflücken.
 
     
  Walter Flex, Aus dem Buch "Der Wanderer zwischen beiden Welten. Ein Kriegserlebnis"
Totenklage ist ein arger Totendienst, Gesell! Wollt ihr eure Toten zu Gespenstern machen oder wollt ihr uns Heimrecht geben? (...) Macht uns nicht zu Gespenstern, gebt uns Heimrecht! Wir möchten gern zu jeder Stunde in euren Kreis treten dürfen, ohne euer Lachen zu stören. Macht uns nicht ganz zu greisenhaft ernsten Schatten, laßt uns den feuchten Duft der Heiterkeit, der als Glanz und Schimmer über unsrer Jugend lag! Gebt euren Toten Heimrecht, ihr Lebendigen, daß wir unter euch wohnen und weilen dürfen in dunklen und hellen Stunden. Weint uns nicht nach, daß jeder Freund sich scheuen muß, von uns zu reden! Macht, daß die Freunde ein Herz fassen, von uns zu plaudern und zu lachen! Gebt uns Heimrecht, wie wir's im Leben genossen haben!
 
     
  Wilhelm Wiesberg (aus dem Wiener Lied "Der erste Schnee")
Während im Salon, im warmen,
mancher scherzt und singt und lacht,
liegt auf den Stufen unten ein Armer,
krank und hilflos in der Nacht.
Hofft das Ende seiner Leiden,
blickt hinauf zu seinen Sternen,
denkt sich bitter: "Wie bescheiden
wird wohl mein Begräbnis werden!"
Doch ein Engel scheint zu reichen
ihm einen Trost, sein Herz zu laben,
sagt ihm leise: "Deinesgleichen
wird am herrlichsten begraben.
Denn statt Pomp und Heuchelgesichter
glänzen die Sterne als Himmelslichter,
und als Bahrtuch von der Höh',
deckt dich zu der erste Schnee."
 
   
     
  Joseph Freiherr von Eichendorff, Winternacht
Verschneit liegt rings die ganze Welt,
ich hab' nichts, was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.
Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seinen Wipfel sacht
und redet wie im Traume.
Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob wird rauschen.
 
   
   
     
  Verfasser/in unbekannt
Es wird Stille sein und Leere.
Es wird Trauer sein und Schmerz.
Es wird dankbare Erinnerung sein,
die wie ein heller Stern
die Nacht erleuchtet,
bis weit hinein in den Morgen.
 
     
 

Joachim Ringelnatz, Der letzte Weg
"Ich gehe ins Wasser," sagte sie leis,
"Ade!
Du hast es gut mit mir gemeint.
So weiß ich einen, der um mich weint.
Hab Dank!"
Ich aber sah ihr tiefes Weh
Und küsste sie, die arm und krank,
Und sagte: "Geh!"

 
     
  Friedrich Rückert
Wenn in der blühenden Blume die welkende schon du voraussiehst, sieh noch weiter voraus in der welkenden auch die erblühende.
 
     
  Gottfried Keller, Die kleine Passion
Der sonnige Duft, Septemberluft,
sie wehten ein Mücklein mir aufs Buch.
Das suchte sich die Ruhegruft
und fern vom Wald sein Leichentuch.
Vier Flügelein von Seiden fein
trug's auf dem Rücken zart,
drin man im Regenbogenschein
spielendes Licht gewahrt!
Hellgrün das schlanke Leibchen war,
hellgrün der Füßchen dreifach Paar,
und auf dem Köpfchen wundersam
saß ein Federbüschchen stramm;
die Äuglein wie ein goldnes Erz
glänzten mir in das tiefste Herz.
Dies zierliche und manierliche Wesen
hatt' sich zu Gruft und Leichentuch
das glänzende Papier erlesen,
darin ich las, ein dichterliches Buch;
so ließ den Band ich aufgeschlagen
und sah erstaunt dem Sterben zu,
wie langsam, langsam ohne Klagen
das Tierlein kam zu seiner Ruh.
Drei Tage ging es müd und matt
umher auf dem Papiere;
die Flügelein von Seide fein,
sie glänzten alle viere.
Am vierten Tage stand es still
gerade auf dem Wörtlein "will"!
Gar tapfer stand's auf selbem Raum,
hob je ein Füßchen wie im Traum;
am fünften Tage legt' es sich,
doch noch am sechsten regt' es sich;
am siebten endlich siegt' der Tod,
da war zu Ende seine Not.
Nun ruht im Buch sein leicht Gebein,
mög' uns sein Frieden eigen sein!
 
     
  Ludwig Uhland, Die Kapelle
Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab;
Drunten singt bei Wies und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab.

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
Schauerlich der Leichenchor,
Stille sind die frohen Lieder
Und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal.
Hirtenknabe, Hirtenknabe,
Dir auch singt man dort einmal.
 
     
  Werner Bergengruen
Der Engel spricht: Gehorche.
Was für ein Lohn dir bereitet?
Ich habe dir keine Verheißung zu sagen.
Dir zu Füßen ist Meer gebreitet.
Unberaten und unbegleitet
Mußt du das Wagnis des Petrus wagen.
Ob dich die Wellen wie Hände tragen,
Ob der Herr dir entgegenschreitet -
Ich weiß es nicht,
Und du darfst mich nicht fragen.
 
     
  Johann Wolfgang Goethe, Wanderers Nachtlied
Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillst,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Auch ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!
 
     
  Augustinus
Wunder stehen nicht im Widerspruch zur Natur, sondern im Widerspruch zu unserem Wissen von der Natur.
 
     
  Alexandra Höfer
Egal, wie lang das Wasser im Fall hinabfließt, und egal wo Du sein magst.
Dein Zuhause ist in der Tiefe unseres Herzens.
Sei frei wie ein Komet am Himmelszelt, sei frei wie ein Adler, der durch die Lüfte schwelgt.
Sei unbekümmert wie der Wind, der die Blätter streift und glücklich wie eine Blume, benetzt von dem Morgentau auf ihrem Kleid.
Behütet sollst Du sein wie in einem Rudel Wölfe, die Böses von Dir fernhalten und nie ohne Dich ziehen könnten.
Finde einen Ort, weil Du nicht bei uns bist, an dem Du mit aller Liebe und Sorgfalt das erhältst, was innig Dir entspricht.
 
     
  Matthias Claudius
Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
Tönt so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer
Und die Stunde schlägt.
 
     
  Friedrich Hölderlin
So durchlauf ich des Lebens Bogen
und kehre, woher ich kam.
 
     
 

Ferdinand von Saar, Ostern

Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.

Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.

Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle
schwebt er, der am Kreuz verschied.

So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
dass der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verläßt.

Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
dass sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht!

 
     
  Verfasser/in unbekannt
Geburt und Tod sind nur Wendemarken im unendlichen Meer des Lebendigen.
 
     
  Nico Friedrichs-Neumann, Seelenruhe
Mein Leben
in Deine Hände legen
weil ich weiß
Du wirst das Richtige tun
wenn ich es nicht mehr kann

Mit Seelenruhe
alles regeln
was immer zu regeln ist
für den Fall
dass meine Seele
Deine Hände braucht
um gehen zu können

Über den Tod zu sprechen
und doch zu wissen
er wird nicht das Ende sein
weil es schon ein Leben gab
das wir vorher hatten

Meine Seele
in Deinen Händen
das ist es
was mich ruhig macht
fürs Leben
im Hier und Jetzt

Ich danke Dir!
 
     
  Psalm 34,19
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
 
     
  Meinold Krauss
Dass alles irgendwo und irgendwann einmal endet, ist ewiges Gesetz. Es trifft den Menschen und sein Werk. Doch jedes Ende mahnt zu neuem Anfang. Sei beständig wie die Erde, die treibt und grünt, fängt immer neu von vorne an.
 
     
  Verfasser/in unbekannt
Der Tod kann auch freundlich kommen
zu Menschen, die alt sind,
deren Hand nicht mehr festhalten will,
deren Augen müde werden, deren Stimme nur sagt:
Es ist genug. Das Leben war schön.
 
     
  Osho
Nur aus dem Schoß der dunklen Nacht bricht am Ende die Sonne hervor.
 
 

Albrecht Goes, Sieben Leben

Sieben Leben möcht ich haben:
Eins dem Geiste ganz ergeben,
So dem Zeichen, so der Schrift.
Eins den Wäldern, den Gestirnen
Angelobt, dem großen Schweigen.
Nackt am Meer zu liegen eines,
Jetzt im weißen Schaum der Wellen,
Jetzt im Sand, im Dünengrase.
Eins für Mozart, für die milden,
Für die wilden Spiele eines.
Und für alles Erdenherzleid
Eines ganz, und ich, ich habe -
Sieben Leben möcht ich haben! -
Hab ein einzig Leben nur.

 
     
  Josef Butscher
Endlich Licht am Horizont!
Die Umwege,
ergriffen von Zielstrebigkeit,
münden ins schützende Haus.
Angst ist überwunden,
Trübheit gewichen, Ungeduld besiegt.
Zeit des Lebens ist gekommen.
 
     
  Peter Paul Althaus, September
September ist der schönste Mond zu sterben.
Die Ernte ist nun eingebracht.
Die Spechte noch nach müden Borkenkäfern kerben,
die aber wittern schon die lange Winternacht.
Die Wälder sich ganz mählich färben;
im Norden warten schon die herben
Oktoberlüfte, eh sie bitter gerben.
Dies sagt ein alter Mann,
der allzu oft gewacht
und über allzuvieles nachgedacht:
September ist der schönste Mond zu sterben.
 
     
  Psalm 91,11
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.
 
     
  Von einem unbekannten Verfasser
Als Gott sah, dass der Weg zu lang,
der Hügel zu steil und das Atmen zu schwer wurde,
legte er seinen Arm um dich und sagte: Komm.
 
     
 

Hilde Domin, Bitte

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen
wir werden durchnäßt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze taugt nicht
der Wunsch den Blütenfrühling zu halten
der Wunsch verschont zu bleiben taugt nicht

Es taugt die Bitte
daß bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
Daß die Frucht so bunt wie die Blüte sei
daß noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden

Und daß wir aus der Flut
daß wir aus der Löwengrube

und dem feurigen Ofen
stets von neuem zu uns selbst entlassen werden

 
     
  Psalm 93,4
Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der Herr aber ist noch größer in der Höhe.
 
     
  Buddha
Jedes Leben hat sein Maß an Leid.
Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.
 
     
Hans Sahl
Ich gehe langsam aus der Welt heraus
in eine Landschaft jenseits aller Ferne,
und was ich war und bin und was ich bleibe,
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
in ein bisher noch nicht betretenes Land.

Ich gehe langsam aus der Zeit heraus
in eine Zukunft jenseits aller Sterne,
und was ich war und bin und immer bleiben werde,
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile,
als wär ich nie gewesen oder kaum.
     
  Aus der Grabinschrift des Tut Anch Amun, 1323 v.Chr.
...wenn du aufgerufen wirst, den Sand vom Osten zum Westen zu tragen, dann sollst du sagen: hier bin ich.
 
   
  Hebräer 13,14
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
 
     
  Joseph von Eichendorff, Im Abendrot
Wir sind durch Not und Freude
Gegangen Hand in Hand,
Vom Wandern ruhn wir beide
Nun überm stillen Land.

Rings sich die Täler neigen,
Es dunkelt schon die Luft,
Zwei Lerchen nur noch steigen
Nachträumend in den Duft.

Tritt her, und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.

O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot
Wie sind wir wandermüde -
Ist das etwa der Tod?
 
     
  Marie Steiner
Sterne sprachen einst zu Menschen,
ihr Verstummen ist Weltenschicksal.
In der stummen Stille aber reift,
was Menschen sprechen zu den Sternen.
 
     
  Rudolf O. Wiemer, Entwurf für ein Osterlied
Die Erde ist schön, und es lebt sich
leicht im Tal der Hoffnung.
Gebete werden erhört. Gott wohnt
nah hinterm Zaun.

Die Zeitung weiß keine Zeile vom
Turmbau. Das Messer
findet den Mörder nicht. Er
lacht mit Abel.

Das Gras ist unverwelklicher
grün als der Lorbeer. Im
Rohr der Rakete
nisten die Tauben.

Nicht irr surrt die Fliege an
tödlicher Scheibe. Alle
Wege sind offen. Im Atlas
fehlen die Grenzen.

Das Wort ist verstehbar. Wer
Ja sagt, meint Ja, und
Ich liebe bedeutet: jetzt und
für ewig.

Der Zorn brennt langsam. Die
Hand des Armen ist nie ohne
Brot. Geschosse werden im Flug
gestoppt.

Der Engel steht abends am Tor. Er
hat gebräuchliche Namen und
sagt, wenn ich sterbe:
Steh auf.
 
     
  Psalm 39,5
Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss.
 
     
  Giuseppe Ungaretti, Heiter
(Dt. von Ingeborg Bachmann)

Nach so viel Nebel
enthüllen sich
einer um den den anderen
die Sterne

Ich atme die Frische
aus der Farbe des Himmels

Ich begreife mich
ein flüchtiges Bild
hinter ein unsterbliches
Licht geführt
     
  Gretel Winterling, Pietà
Der Raum, in dem der Engel der Verkündigung
versuchte, Mut und Zuversicht
der bangen Frau zu sein,
ist ganz umjubelt von dem Lobgesang der Vielen
und überstrahlt vom Glanz der Königsgaben.

Ein Lächeln wächst aus ihr,
rankt blühend um das Kind auf ihrem Arm.

Der Schoß der Frau jedoch
umschließt das Dunkel jetzt,
das groß und weich und warm
in ihr sich breitet wie zur Nacht,
in die kein Stern und kein Gesang mehr dringt.

Wie einst das Engelwort im Herzen sie bewahrt,
wird sie Gefäß für Angst und Todesnot
und weiß, daß dies ihr Leben ist:
daß Hülle sie für jenen Schmerz muß sein,
der unverhüllt in ihren Armen liegt.
   
X
     
  Romano Guardini
Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen, dessen andere Seite Auferstehung heißt.
 
  Al Buchari
Ein Leichenzug kam bei uns vorbei, und Mohammed, der Prophet erhob sich seinetwegen. Auch wir standen auf, doch wir sagten: „O Gesandter Allahs, es ist der Leichenzug eines Juden!" Er aber antwortete: „Wenn ihr einen Leichenzug seht, erhebt euch!“
 
     
  Offenbarung 1,17f.
Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
 
     
  Verfasser/in unbekannt
Behutsam setzte ein Engel mich an den Rand des Lichts.
Ich trat hinein und fühlte mich geborgen.
Darum seid nicht nur traurig, wenn ihr an mich denkt.
Erzählt lieber von mir
und lasst mir einen Platz zwischen euch,
so wie ich ihn im Leben hatte.
Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.
Ich habe euch nicht verlassen,
ich bin euch nur ein Stück voraus.
 
     
  Offenbarung 21,4
Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
 
     
  Verfasser/in unbekannt
Trauer ist das Heimweh unseres Herzens nach dem Menschen, den wir liebten.
 
     
  Manfred Kyber
Einmal wird ein Ende
aller Irrfahrt sein.
Müdgeword'ne Hände
ziehn die Segel ein.

Leise ruft der Rufer
allen Sturm zur Ruh.
Einem andern Ufer
treibt der Nachen zu.

Und die vor mir gingen
schauen nach mir aus,
um mich heimzubringen
in mein Vaterhaus.

Wortlos knie ich nieder
in den Silbersand,
nimm mich, nimm mich wieder
selges Sonnenland.
 
     
  Mascha Kaleko
Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich tot entlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr,
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.
 
     
  Antoine de Saint-Exupéry (aus: Der kleine Prinz)
Das ist wie mit der Blume. Wenn du eine Blume liebst, die auf einem Stern wohnt, so ist es süß, bei Nacht den Himmel zu betrachten. Alle Sterne sind voll Blumen.
Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!
Es wird sein, als hätte ich dir statt der Sterne eine Menge kleiner Schellen geschenkt, die lachen können.
Mein Stern wird für dich einer der Sterne sein. Dann wirst du alle Sterne gern anschauen ... Alle werden deine Freunde sein.
 
     
 
 
  Hiob 19,25-27
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen. Danach sehnt sich mein Herz.
 
     
  Theresa von Avila
Nun ist es Abend, nun ist es genug.
Nun bring mich, Herr, in deine Hände.
Es war so schwer, als ich mich selber trug.
Nun trägst du mich, in Liebe ohne Ende.
 
     
  Platon
Es ist nun Zeit, dass wir gehen, ich um zu sterben, und ihr, um zu leben. Wer aber von uns beiden zu dem besseren Geschäft hingehe, das ist allen verborgen außer nur Gott.
 
     
  Heinrich Heine
Ich verlange, dass mein Leichenbegräbnis so einfach wie möglich sei.
 
     
  Seneca
Leben aber muss man das ganze Leben hindurch lernen, und worüber du dich vielleicht noch mehr verwundern wirst: Auch sterben muss man das ganze Leben lernen.
 
     
  Psalm 68,21
Wir haben einen Gott, der da hilft und den Herrn, der vom Tode errettet.
 
     
  Arthur Schopenhauer
Jede Trennung gibt einen Vorgeschmack des Todes, und jedes Wiedersehn einen Vorgeschmack der Auferstehung.
 
     
  Samuel Smiles
Der Mann selbst stirbt und vergeht; doch seine Ideen und Handlungen leben fort und hinterlassen der Menschheit einen unauslöschlichen Eindruck. Und so bekommt der Geist seines Lebens Dauer und Ewigkeit, beeinflusst Gedanken und den Willen und trägt dadurch dazu bei, den Charakter der Zukunft zu gestalten.
 
     
  Psalm 31,6
In deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
 
     
  Dietrich Bonhoeffer
Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche.
 
     
   
     
  Lothar Zenetti
Wenn ich gestorben bin und verloren
wird man mich senken in deine Erde.
Wenn ich verlassen bin und vergessen,
wirst du mich nennen bei meinem Namen.
Wenn ich verloren bin und verlassen
wirst du mich halten in deinen Händen.
Wenn ich vergessen bin und vergangen
wirst du mich bergen in deiner Treue.
 
     
  Jesaja 43,1
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
 
     
  Heinrich Vogel
Wenn dann zuletzt ich falle,
wie man im Sterben fällt,
und deinen Namen lalle,
sei du mir, der mich hält.

Gib, dass ich mich dann lasse
nur fallen frei und blind,
und noch im Sturze fasse
mich, Vater, als dein Kind.
 
     
  Friedrich Schiller
Das Leben ist nur ein Moment, der Tod ist auch nur einer.
 
     
  Johannes 16,22
Jesus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit. Aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
 
     
 

Aus dem Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche

Text: Horatius Bonar (1808-1889), Melodie: Ira David Sankey (1840-1908)

1) Gleich wie die schimmernden Sterne erblassen,

strahlet der leuchtende Morgen sie an,

wirst du die Welt und ihr Tagwerk verlassen.

Eines besteht, was du liebend getan.

Eines bestehet, nimmer vergehet,

nimmer vergehet was du liebend getan.

Wirst du die Welt und ihr Tagwerk verlassen,

nimmer vergeht, was du liebend getan.

2) Wo du im Lenze gepflanzt und gesäet,

wirst du gewisslich die Ernte empfahn.

Schnell sind des Sämannes Spuren verwehet,

eines besteht: was du liebend getan.

Eines bestehet, nimmer...

3) Hast du für Gott und die Wahrheit gestrebet,

wacker gekämpft wider Sünde und Wahn,

wirst du vergessen - doch bleibet und lebet,

reifet zur Frucht, was du liebend getan.

Eines bestehet, nimmer ...

4) Himmlische Gaben - wer mag sie ermessen?-

werden die Treuen vom König empfahn.

Keinem der Seinen wird Jesus vergessen,

was er im Leben hat liebend getan.

Eines bestehet, nimmer ...

 
     
 

Peter Cornelius, Treue

Dein Gedenken lebt in Liedern fort;
Lieder, die der tiefsten Brust entwallen,
Sagen mir: du lebst in ihnen allen,
Und gewiß, die Lieder halten Wort.

 

Dein Gedenken blüht in Tränen fort;
Tränen aus des Herzens Heiligtume
Nähren tauend der Erinnrung Blume,
In dem Tau blüht dein Gedenken fort.

 

Dein Gedenken lebt in Träumen fort;
Träume, die dein Bild verklärt mir zeigen,
Sagen: daß du ewig bist mein eigen,
Und gewiß, die Träume halten Wort.

 
     
Friedrich Hebbel
Seele, vergiss sie nicht,
Seele, vergiss nicht die Toten!
  Psalm 31,16
Meine Zeit steht in deinen Händen.
 
     
  Rainer Maria Rilke
Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
 
  Rainer Maria Rilke
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
X
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
X
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
X
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

 
 
     
  Gerhart Hauptmann
Mit jedem Menschen stirbt eine Welt.
 
     
  Ludwig Strauss
Du fluchst noch der vollkommensten Menschengestalt, weil sie in Asche zerfallen wird? Ich segne noch die Asche in der Urne, weil Gottes Ebenbild aus ihr geschaffen war.
 
     
  Psalm 49,16
Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf.
 
     
  Johannes vom Kreuz
Suche deinem Herzen den Frieden zu wahren!
Kein Vorfall dieser Welt soll es beunruhigen.
Denke, dass alles ein Ende haben muss.
 
     
 

Else Lasker-Schüler, Senna Hoy

Seit Du begraben liegst auf dem Hügel,

Ist die Erde süß.

Wo ich hingehe nun auf Zehen,

Wandle ich über reine Wege.

O Deines Blutes Rosen

Durchtränken sanft den Tod.

Ich habe keine Furcht mehr

vor dem Sterben.

Auf Deinem Grabe blühe ich schon

Mit den Blumen der Schlingpflanzen.

Deine Lippen haben mich immer gerufen,

Nun weiß mein Name nicht mehr zurück.

Jede Schaufel Erde, die Dich barg,

Verschüttete auch mich.

Darum ist immer Nacht an mir,

Und Sterne schon in der Dämmerung.

Und ich bin unbegreiflich unseren Freunden

Und ganz fremd geworden.

Aber Du stehst am Tor der stillsten Stadt

Und wartest auf mich, Du Großengel.

 
     
   
     
  Ernst Jünger
Mit jedem dieser Sehr-Alten, deren Namen uns seit Jahrzehnten vertraut sind, geht mehr dahin als eine Person. Eine Zeit nimmt Abschied, die sich in ihnen verdichtete.
 
     
  Ernst Jünger
Wenn der Mensch stirbt, wird sein Lebenslied im Äther gespielt. Er darf es mithören, bis es ins Schweigen übergeht. Er lauscht dann so aufmerksam inmitten der Qualen, der Unruhe. In jedem Fall war es ein großer Meister, der das Lied ersann. Doch kann es in seinem reinen Klange nur vernommen werden, wo der Wille erlischt, wo er der Hingabe weicht.
 
     
  Marie Luise Kaschnitz
...
zur Beerdigung meiner
wünsche ich mir das Tedeum
Tedeum laudamus
den Freudengesang
unpassender-
passenderweise
X
denn ein Totenbett
ist ein Totenbett mehr nicht
einen Freudensprung
will ich tun am Ende
hinab hinauf
leicht wie der Geist der Rose
...
 
     
  Psalm 39,13
Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen.
 
     
 

Die Trauer bewältigen

Wenn ein geliebter Mensch verstorben ist, empfinden die Hinterbliebenen nur noch Verzweiflung, Trauer, Leere. Sie wissen nicht, wie sie ohne den geliebten Toten weiterleben sollen, alles scheint so sinnlos.

Leben Sie Ihre Trauer ganz bewusst, geben Sie ihr Raum und bewahren Sie Ihre Liebe zu dem Verstorbenen, damit Sie allmählich wieder ins Leben zurückfinden können – das empfiehlt Tania Konnerth (*) in ihrem einfühlsamen, sehr empfehlenswerten Artikel. Sie finden ihn unter

 

http://www.zeitzuleben.de/blog/entry/1/5003.html

 

(*) Tania Konnerth ist Mitherausgeberin der Website „Zeit zu leben – Das Leben in die Hand nehmen“ (ag)

 
     
    Friedrich Hebbel
Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
sie war, als ob sie bluten könne, rot.
Da sprach ich schaudernd im Vorübergehn:
so weit im Leben ist zu nah am Tod.

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
nur leise strich ein weißer Schmetterling,
doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
bewegte, sie empfand es und verging.
 
     
  Wilhelm Busch
Mein Lebenslauf ist bald erzählt:
In stiller Einsamkeit verloren,
schlief ich, bis dass ich sichtbar ward geboren.
Was aber nun?
Auf schwachen Krücken,
ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
bin ich getrost dahingestolpert,
mitunter grad, mitunter krumm.
Und schließlich musst ich mich verschnaufen;
bedenklich rieb ich meine Glatze
und sah mich in der Gegend um.
O weh, ich war im Kreis gelaufen,
stand wiederum am alten Platze,
und vor mir dehnt sich lang und breit
wie ehedem: die Ewigkeit.
 
     
  Hermann Claudius
Auf der Höhe meiner Reise
hebt der Herrgott seine Hände,
winkt mir zu und lächelt leise.
Und die Reise ist zu Ende.
 
     
  Nach Walter Jung
Sollt ich, ihr Lieben, einmal von euch gehen,
dann trauert nicht so sehr um mich.
Ich werd' in euren Herzen auferstehen
und vor euch wandeln wie ein Licht.

Ihr könnt mich dann im Ährenwogen sehen,
erkennt mich in der Esse Rauch.
Schaut hin, wenn sich im Herbst die Nebel drehen
und fühlt mich in des Windes Hauch.

Ich will als Blatt auf euren Wegen liegen,
das von der Eiche hergeweht.
Und denkt an mich, wenn hoch die Schwalben fliegen,
ein Reh am Waldesrande steht.

Geht ihr durch Deutschlands herrlich weite Wälder,
am Wiesenrande voller Mohn,
so wisst, inmitten reifer Felder:
Ich bin und bleib' ein Stück davon.
 
     
 

Hermann Claudius
Und was für Unreim rings geschieht:
die Amsel singt ihr Abendlied.
Hoch auf dem First wie jedes Jahr
singt sie ihr Lied so voll und klar.

Urlaut Natur und ungelehrt,
wie schon mein Ahn sie einst gehört.
Und bleibt dabei nach gutem Brauch
für meinen Enkel - denk' ich - auch.

Dass über Menschenleid und Zwist
das Eine sei, das ewig ist.

 
     
 

Karl Rahner
Meiner Toten will
ich vor dir gedenken, Herr,
aller derer, die einmal
zu mir gehörten
und von mir gegangen sind.
Ihrer sind viele, so viele,
dass ich sie gar nicht
mit einem Blick
überschauen kann,
sondern in der Erinnerung
meinen Lebensweg
noch einmal entlang gehen
muss, wenn meine Trauer
sie alle grüßen will.

Stiller Gott,
Gott der stillen Toten,
lebendiger Gott
der Lebendigen, Rufer
durch Schweigen, Gott derer,
die durch ihr Schweigen
mich in dein Leben
hineinrufen wollen,
lass mich meine Toten,
meine Lebendigen
nicht vergessen.

 
     
  Verfasser/in unbekannt
Alle sagten: "Das geht nicht." Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's gemacht.
 
     
   Wilhelm Busch, Dilemma
Das glaube mir - so sagte er -
Die Welt ist mir zuwider,
Und wenn die Grübelei nicht wär,
So schöß ich mich darnieder.

Was aber wird nach diesem Knall
Sich späterhin begeben?
Warum ist mir mein Todesfall
So eklig wie mein Leben?

Mir wäre doch, potzsapperlot,
Der ganze Spaß verdorben,
Wenn man Ende gar nicht tot,
Nachdem daß man gestorben.