Frontal21 - Das ZDF berichtet über Ehrenamt auf den Fildern

 
Das ZDF-Magazin Frontal21 ist bekannt dafür, Missstände in Politik und Gesellschaft schonungslos aber fundiert aufzudecken. In der Sendung vom 12. Juni 2007 beantwortete der Moderator Theo Kroll die häufig von Zuschauern gestellte Frage: „Wo bleibt eigentlich das Positive?“ Er sagte: „Hier ist es: Deutschland arbeitet ehrenamtlich, und das zunehmend. 23 Millionen Freiwillige gibt es hierzulande, Menschen, die helfen, wo sonst niemand mehr hilft...“ Damit leitete er über zu einem Bericht von Autorin Rita Stingl, die drei ehrenamtliche Projekte kombiniert – also nicht nacheinander – vorstellte: den Bürgerbus von Gransee, den Bahnhofspaten Konrad Kehl und unseren Verein für Bestattungs- und Trauerkultur (VBT). Selbst dezent im Hintergrund bleibend, gab die Autorin den Verantwortlichen Gelegenheit, sich und ihr Tun selbst zu erklären.
 
  Barbara Rolf, Vorsitzende und Initiatorin des VBT, Leinfelden-Echterdingen, machte deutlich, aus welchem Grund der Verein, in dem derzeit elf Männer und vier Frauen ehrenamtlich den Sargträgerdienst ausüben, im November 2006 so ad hoc gegründet wurde, oder besser gesagt, gegründet werden musste: „Da hat die Stadt diesen Dienst übergeben.“

Warum – dazu Oberbürgermeister Roland Klenk: „Ich muss zugeben, es war die schiere finanzielle Not, die hier zum verschärften Nachdenken geführt hat und auch zu dem Ergebnis, die Sargträgerdienste in private Hände zu geben.“
     
Die derzeit 15 ehrenamtlichen Sargträger kommen, laut Rolf, aus ganz verschiedenen Altersgruppen und Berufen: „Noch machen Bestatter einen relativ großen Anteil aus, es sind aber auch Studenten und Juristen dabei, Handwerker, Außendienstler – eine ganz illustre Gruppe.“  
     
  Barbara Rolf betont, dass jeder, der sich für diesen Dienst zur Verfügung stellt, vorab sorgfältig eingewiesen wird: „Das ist eine Übung. Frau Nitsch ist jetzt ganz neu im Team und wird in Zukunft auch Sargträgerdienste übernehmen. Sie lernt heute, wie das funktioniert.“
     
Allerdings kommt ehrenamtliche Tätigkeit ohne Unterstützung auch durch Spenden nicht aus. So hat etwa die großzügige Spende eines ortsansässigen Bestatters es dem Verein ermöglicht, neue Jacken anzuschaffen.  
     

Der freiwillige Sargträgerdienst der Mitglieder des Vereins wird von Trauerfamilien nicht für selbstverständlich genommen: „Regelmäßig bedanken sich Angehörige für unsere Arbeit, durch Trinkgeld, eine Flasche Wein oder die Einladung zum Leichenschmaus“, anerkennt Barbara Rolf. Aber es gibt auch die andere Seite. „Solche Dinge werden manchmal belächelt <<Das machst Du gratis, bei Deiner Ausbildung, und auch noch freiwillig >>.  Das ist manchen Menschen ein bisschen schwer zu vermitteln. Und es ist schmerzhaft, wenn man dafür auch noch belächelt wird.“

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Dazu passt das Schlusswort von Frontal21-Moderator Theo Koll: „Der Komponist Franz Lehar meinte dazu: Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um das Leben zu genießen, sondern um anderen Menschen Freude zu bereiten. Für viele Helfer ist das wohl ein und dasselbe.“

     
    Von Annelies Gekeler
     

(Zitate und Fotos mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Frontal21)